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Warum haben wir Angst?

Ängste können unser Leben so sehr bestimmen, dass die Lebensfreude verloren geht. Nimmt die Angst unser ganzes Leben ein, so spricht man von einer „generellen Angststörung“. Betrifft es nur bestimmte Situationen unseres Lebens, so kann es sich z.B. um eine sogenannte „soziale Phobie“ oder eine „Agoraphobie“ handeln. Ängste können uns derart vereinnahmen, dass wir am liebsten im Boden verschwinden würden. Typischerweise lösen Ängste ein Vermeidungsverhalten aus, sodass wir bestimmte angstauslösende Situationen vermeiden und so nicht mit der Angst konfrontiert sind. Das alles ist menschlich, hält uns aber in einem ständigen Teufelskreis aus Angst und Vermeidung gefangen.


Angst erfüllt dabei eine Schutzfunktion und will uns vor bestimmten Situationen bewahren, von denen im Unterbewusstsein abgespeichert ist, dass wir das nicht schaffen können. Hier geht es in der Regel um negative Erfahrungen aus der Kindheit, die uns auch als Erwachsene noch prägen.


Psychotherapie bei Ängsten und Panik

Das Leben zu meistern bedeutet, wenn es um Ängste geht, sich diesen Ängsten zu stellen. Aber es macht wenig Sinn, sich einer angstauslösenden Situation zu stellen, wenn man vorher weiß, dass die Situation einen wohl überfordern wird. Das führt im schlimmsten Fall nur zu einer weiteren schlechten Erfahrung, in der die Angst einen bestimmt. Man muss sich in gewisser Weise bereit fühlen für den Sprung ins kalte Wasser. Und genau das ist die Aufgabe der Psychotherapie, dem Betroffenen so viel Halt und Stabilität zu geben, dass der Sprung ins kalte Wasser eine Herausforderung ist, die man meistern kann. D.h. die angstauslösende Situation führt dann zu einer positiven Erfahrung, zu einem Erfolgserlebnis und wird vom Gehirn als solches abgespeichert.


Zuerst geht es also darum, die eigene Einstellung zur Angst zu ändern. Das bedeutet die Angst nicht mehr als etwas Gefährliches, Unkontrollierbares wahrzunehmen. Stattdessen hat Angst ja tatsächlich eine sinnvolle Funktion in unserer Psyche, nämlich eine schützende Funktion. Es mag erst einmal paradox klingen, aber insofern ist die Angst tatsächlich unser Freund, der uns eben schützt. Gehen wir in diese freundliche, innere Haltung der Angst gegenüber, beenden wir in diesem Moment einen Kampf in uns selbst. Das ist der erste Schritt in Richtung inneren Friedens.


Gehen wir einen Schritt weiter, so können wir die Angst als Teil von uns selbst fragen: „Was brauchst du?“ Es handelt sich ja tatsächlich um einen bedürftigen Anteil in uns selbst, der offensichtlich unsere Hilfe braucht. So können wir eine immer bessere Beziehung zu unserem ängstlichen Persönlichkeitsanteil aufbauen und damit in einen offenen, ehrlichen Kontakt mit uns selbst treten. Ein Kontakt, der auf Frieden und nicht mehr auf Kampf ausgerichtet ist. Denn solange wir Angst als einen Gegner sehen, der uns etwas Böses will, kämpfen wir gegen sie und bewirken damit genau das, was wir eigentlich verhindern wollen: Wir vergrößern die Angst unbewusst.


Ein sinnvolles therapeutisches Mittel bei Angstpatienten kann unser Atem sein. Unser Atem hat den Vorteil, dass er immer da ist und uns jede Stimmungsveränderung ganz genau anzeigt, indem er zum Beispiel schneller, flacher oder tiefer wird. Verbinden wir unsere Angst mit einem bewussten Atmen, sodass wir in die Angst hineinatmen, entsteht aus der Verbindung zwischen Atem und Angst Energie. D.h. Angst plus Atem ist gleich Energie, ein innerer Wandel ist erfolgt. Diese Methode gibt uns in der konkreten angstauslösenden Situation geistige Gegenwärtigkeit und Stabilität. Diese Methode braucht ein gewisses Maß an Übung, denn Übung macht auch in einem therapeutischen Prozess den Meister.


Auch Achtsamkeit kann im Rahmen einer Therapie ein wesentlicher Baustein sein, der Sie unterstützt. Achtsamkeit bedeutet zum einen, geistig präsent zu sein, und zum anderen, nicht zu urteilen. Wendet man diese Definition von Achtsamkeit auf den oben beschriebenen Umgang mit der Angst an, erkennt man eine Unachtsamkeit als Ursache für die Angstproblematik. Denn die Angst wurde als etwas Schlechtes beurteilt. So entsteht das, was psychologisch als "Angst vor der Angst" bezeichnet wird. Daraus entsteht ein Teufelskreis aus immer stärkeren Ängsten, in dem man sich gefangen fühlt und der bis hin zur Panik führen kann.


Im fortschreitenden therapeutischen Prozess wird gerne mit einer sogenannten Angsthierarchie gearbeitet. Das bedeutet, dass man sich zuerst weniger angstauslösenden Situationen stellt und sich so kleine Erfolgserlebnisse verschafft. So erfolgt eine stetige Annäherung an immer herausforderndere Situationen bis hin zur höchsten Stufe der Angsthierarchie, dem Worst-Case-Szenario. Je mehr innere Stabilität man durch eine fundierte Psychotherapie erhält, desto größeren Herausforderungen können wir uns stellen.


Das sind einige Elemente meiner achtsamkeitsbasierten Therapie bei Ängsten und Panikattacken. Es gibt noch viele weitere unterstützende Maßnahmen, die einem Angstpatienten helfen. Zum Beispiel können Erkenntnisse gesammelt, Verständnis geschaffen, Vergebung praktiziert und das Vertrauen in sich selbst und in das Leben gestärkt werden. All diese inneren Prozesse führen zu einer kontinuierlichen Reduzierung der Angst und damit zu einem Rückgewinn der Lebensfreude, sodass Sie ihr Leben wieder genießen können.


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